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„Man muss nicht alles können – man muss nur anfangen“
Zuletzt bearbeitet am 16. Juni 2026
Mit 39 Jahren, zwei Kindern und ohne IT-Erfahrung wagte Meral Karagül einen Neuanfang – mit einer Umschulung zur Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung. Heute arbeitet sie erfolgreich als Entwicklerin. Im Interview erzählt sie, wie sie ihren Weg in die IT gefunden hat, welche Hürden sie überwinden musste und warum sich der Schritt für sie gelohnt hat.

1. Die Neuorientierung: Lebenssituation & IT-Kurs
Frau Karagül, wie sah Ihr Leben aus, bevor Sie in die IT gewechselt sind?
Ich habe in der Türkei Wirtschaftswissenschaften studiert, aber in Deutschland nie in dem Bereich gearbeitet. Stattdessen habe ich im Bäckereibetrieb meines Mannes mitgearbeitet. Das war körperlich sehr anstrengend. Mit der Corona-Zeit kam dann der Moment, an dem ich gemerkt habe: Ich brauche etwas Neues. Eine Perspektive, die besser zu meinem Leben passt.
Warum haben Sie sich dann ausgerechnet für die IT entschieden?
Am Anfang war ich mir unsicher. Ich hatte kaum Berührungspunkte mit IT und habe mich gefragt: „Kann ich das überhaupt?“ Dann habe ich an einem „Frauen in die IT“-Kurs teilgenommen, den das GFN-Trainingscenter Freiburg in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit in Lörrach angeboten hat. Dort konnte ich Dinge ausprobieren und habe erste Einblicke bekommen. Danach wusste ich: Das ist mein Weg.
Was hat Ihnen dieser Kurs konkret gebracht?
Vor allem Selbstvertrauen. Man merkt, dass IT nicht so unerreichbar ist, wie man vielleicht denkt. Wir haben praktisch gearbeitet, zum Beispiel einen PC auseinandergebaut, aber auch erste Programmierübungen gemacht. Das war IT zum Anfassen – und hat mir die Angst genommen.
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2. Der Neustart: Umschulung & erste Praxis
Im Januar 2024 haben Sie dann bei GFN eine Umschulung zur Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung begonnen – und im Januar 2026 erfolgreich abgeschlossen. Wie haben Sie diese 2 Jahre erlebt?
Ja, nach dem „Frauen in die IT“-Kurs ging alles dann ruckzuck mit dem Bildungsgutschein. Ich musste mich nicht selbst darum kümmern, das hat GFN mit dem Jobcenter für mich gemacht.
Die Umschulung Fachinformatiker:in Anwendungsentwicklung (IHK) war intensiv, eine echte Herausforderung. Ich bin jeden Tag über eine Stunde pro Strecke zum Trainingscenter in Freiburg gefahren. Nach dem Unterricht habe ich oft bis spät in die Nacht gelernt. Es gab Phasen, in denen ich gezweifelt habe und dachte, ich schaffe das nicht. Aber wir haben uns in der Gruppe gegenseitig motiviert, das hat mir sehr geholfen.
Gab es einen Punkt, an dem es dann „Klick“ gemacht hat?
Ja. Am Anfang versteht man vieles nicht sofort. Aber nach und nach hat sich alles zusammengefügt. Nach zwei Jahren hatte ich das Thema endlich verstanden. Ich kann jetzt entwickeln und automatisieren – das ist toll! Die Anstrengung hat sich gelohnt.
In der betrieblichen Praxisphase während der Umschulung konnten Sie Ihr Wissen direkt praktisch anwenden. Woran haben Sie gearbeitet?
Während meines Betriebspraktikums habe ich im Landratsamt in Lörrach ein Projekt umgesetzt. Ich habe eine Anwendung für die Lagerverwaltung programmiert, um Prozesse zu vereinfachen. Zum Beispiel können jetzt Dokumente per Barcode-Scan zugeordnet und dann zugleich versendet und intern gespeichert werden. Das spart den Mitarbeitenden in der Verwaltung viel Zeit.
Vorbereitungskurse & engagierte Lernbegleitung
Sollten dir im Vorfeld deiner IT-Umschulung noch wichtige Grundlagen fehlen, kannst du diese in verschiedenen Vorbereitungskursen schnell und unkompliziert nachholen – und mit einem guten Gefühl in die Umschulung starten. Während deiner gesamten Zeit bei uns setzen sich unsere Trainer:innen als professionelle Lernbegleiter:innen konsequent für deinen Lernfortschritt und deinen erfolgreichen Abschluss ein.
3. Der Jobeinstieg: Jobsuche & Arbeitsalltag
Wie lief die Jobsuche für Sie?
Sehr gut. Ich habe mehrere Bewerbungen verschickt und wurde fast immer eingeladen. Meine Erfahrung ist: Als Frau kommt man leicht rein in Unternehmen. Die freuen sich, wenn sich mal eine Frau für einen IT-Job bewirbt. Frauen denken anders, gehen anders an Probleme heran. Davon profitieren IT-Abteilungen und -Teams.
Heute arbeiten Sie in Ihrem ehemaligen Praktikumsbetrieb als Entwicklerin. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Ich arbeite dort im IT-Team – fest angestellt, in Vollzeit. Meine Aufgabe ist es, Anwendungen weiterzuentwickeln. Außerdem unterstütze ich Kolleginnen und Kollegen im Support vor Ort. Da arbeiten ja alle nur digital. Es kommen immer wieder kleinere Projekte dazu, bei denen neue Lösungen programmiert werden. Das macht meinen Job sehr abwechslungsreich.
Was begeistert Sie am meisten an Ihrem Beruf?
Es fasziniert mich, wie man durch Programmierung Lösungen für reale Probleme entwickeln kann. Mit einigen Zeilen Code lassen sich Anwendungen erstellen, die den Alltag der Menschen erleichtern. Daran mitzuwirken, ist einfach spannend.
4. Fazit: Chancen nutzen & neue Wege gehen
Was macht die IT für Sie persönlich attraktiv – und welche Chancen sehen Sie für Frauen?
Für mich bedeutet die IT vor allem Flexibilität – gerade als Mutter von zwei Kindern. Ich kann Beruf und Familie viel besser vereinbaren als früher. Gleichzeitig habe ich gemerkt: Viele Frauen unterschätzen sich. Dabei muss man gar nicht alles können, bevor man startet. Man braucht nur den Mut, anzufangen.
Und Ihr Rat an Frauen, die gerade über einen beruflichen Neustart nachdenken?
Lasst euch nicht einschüchtern. Seid neugierig, probiert Dinge aus und traut euch, neue Wege zu gehen. Ihr könnt viel mehr, als ihr denkt.
Vielen Dank, Frau Karagül! Wir wünschen Ihnen auf jeden Fall, dass Ihre Erfolgsgeschichte weitergeht. Und wer weiß, vielleicht sieht man sich ja noch mal – GFN hält auch für Berufstätige spannende Weiterbildungsangebote bereit.
Der berufliche Neustart von Meral Karagül steht exemplarisch für das große Potenzial von Frauen in der IT – und wurde auch in der WELT‑Sonderpublikation „Frauen in MINT“ aufgegriffen. Du findest den Artikel auf Seite 2, direkt unter dem Vorwort.
Kostenlos teilnehmen & Geldprämien sichern
Du interessierst dich für eine Umschulung, scheust aber die Kosten? Mit einer Förderung wie dem Bildungsgutschein nimmst du kostenfrei an deiner Umschulung bei uns teil – und kannst darüber hinaus von bis zu 2.500 € Weiterbildungsprämie profitieren. Wenn du Arbeitslosengeld (ALG 1) oder Bürgergeld bzw. Grundsicherung beziehst, erhältst du als Umschüler:in zusätzlich 150 € Weiterbildungsgeld pro Monat. Gerne beraten wir dich unverbindlich zu deinen individuellen Fördermöglichkeiten.
