SAP-Berater:in werden – So klappt der Quereinstieg

Das Problem ist längst bekannt: Für die Digitalisierung der Wirtschaft fehlen die dafür nötigen Fachkräfte. Im „Future of Jobs“-Report der Boston Consulting Group ist die Rede von 1,1 Millionen fehlenden IT-Fachkräften in Deutschland bis 2030. Insbesondere SAP-Berater und -Beraterinnen werden gesucht. Die Chancen auf einen schnellen Jobeinstieg sind so gut wie nie – auch für Quereinsteigende.

Du bist arbeitsuchend und/oder möchtest dich beruflich verändern? In diesem Artikel beantworten wir dir alle wichtigen Fragen rund um das Berufsbild und den Start als SAP-Berater:in.

Warum werden SAP-Berater:innen gerade jetzt dringend gebraucht?

Im digitalen Wandel wird es für Unternehmen immer wichtiger, auf Veränderungen und neue Herausforderungen schnell zu reagieren. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die Betriebe ihre Geschäftsprozesse an die Anforderungen der neuen Arbeitswelt anpassen – und entscheiden sich hier meist für digitale Lösungen von SAP, dem Marktführer für Unternehmenssoftware.

Hinzu kommt: Im Jahr 2027 endet der Support für das klassische ERP-System SAP ECC. Innerhalb der nächsten Jahre planen knapp 9 von 10 Unternehmen (88 Prozent), die bereits mit einer ERP-Lösung arbeiten, die Umstellung auf die neue, flexiblere Echtzeit-Lösung SAP S/4HANA. Aber wie die Migration und die anschließende Umsetzung genau vonstattengehen soll, ist vielen noch unklar. Es fehlt an Spezialist:innen, die Unternehmen bei der Einführung der neuen Softwarelösung begleiten.

Was genau macht ein:e SAP-Berater:in?

Als SAP-Berater:in hast du die Möglichkeit, entweder eher technisch oder funktional mit Fokus auf einen bestimmten, im SAP-System abgebildeten Geschäftsbereich zu beraten. Hast du beispielsweise schon berufliche Erfahrungen im Bereich Finanzen und Controlling gesammelt, kannst du dich hier schwerpunktmäßig weiterentwickeln, wohingegen Vertriebs- oder Marketingerfahrene sich häufig auf den Bereich Sales spezialisieren. Wer wiederum einen IT- oder eher technischen Hintergrund mitbringt, steigt meist tiefer in die SAP-Technologie und die Entwicklung von Anwendungen ein.

Generell stehst du als SAP-Berater:in oder SAP-Consultant Unternehmen zur Seite, wenn es um SAP-Projekte, beispielsweise Implementierungs- und Migrationsvorhaben, geht. Du bist sozusagen die Schnittstelle zwischen SAP und den Organisationen, die mit einer oder mehreren SAP-Lösungen arbeiten.

Du analysierst den Unternehmensbedarf, findest das passende SAP-Produkt für deinen Kunden und unterstützt bei der Installation. Will das Unternehmen zugleich auch die Geschäftsprozesse neu gestalten und Abläufe optimieren, erkennst du Verbesserungspotenziale und sorgst für entsprechende Anpassungen im System.

Du betreust aber nicht nur die Einführung und Weiterentwicklung einer SAP-Lösung im Unternehmen, sondern auch die Anwender:innen der Systeme. Zu deinen Aufgaben gehört also auch die Schulung von Menschen, die mit der Software arbeiten. Mit deinem Spezialwissen qualifizierst du sie für neue Anwendungen und hilfst ihnen dabei, ihre täglichen Aufgaben effizienter zu erledigen.

SAP-Berater:in werden – auch ohne Studium möglich?

Um SAP-Berater:in zu werden, ist ein Studium nicht unbedingt der Königsweg. Eine SAP-spezifische Ausbildung wird an den Hochschulen ohnehin kaum angeboten. Wichtig für diesen Beruf ist aber, dass du sowohl betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse als auch SAP-Kompetenzen mitbringst – und dies durch entsprechende Nachweise, beispielsweise anerkannte Zertifikate, belegen kannst.

Dein Vorteil: Immer mehr offene Stellen können nicht besetzt werden, die Einstiegschancen für Bewerbende ohne akademischen Abschluss oder vorherige Berufserfahrung sind optimal. Die Unternehmen haben verstanden, dass es in den IT-Berufen insbesondere auf praktisches Wissen ankommt – und stellen sich angesichts des fortschreitenden Fachkräftemangels mehr und mehr auf qualifizierte Quereinsteigende ein.

Eine Alternative zum langwierigen Studium ist beispielsweise eine Fachinformatiker-Umschulung und anschließende Praktika im Bereich SAP. Oder du fokussierst dich von Anfang an auf SAP – mit einer Weiterbildung bei einem autorisierten SAP-Bildungspartner wie GFN. In einer solchen SAP-Zertifizierung wird die Berufspraxis großgeschrieben: In Übungen, Fallstudien, Praxisprojekten etc. baust du Kompetenzen auf, die du in deinem zukünftigen Job wirklich brauchst und sofort anwenden kannst. Die Schwerpunkte auf einzelne SAP-Module bzw. Geschäftsbereiche wählst du auf Basis deiner Vorerfahrungen, Interessen und Berufsziele selbst aus.

Mit einer SAP-Zertifizierung erwirbst du also in überschaubarer Zeit gefragte Qualifikationen und international anerkannte Nachweise deiner SAP-Kompetenz. Und ganz nebenbei lernst du im Rahmen deiner Online-Weiterbildung auch noch digitale Tools und Anwendungen kennen, die dich fit machen für neue Arten der Zusammenarbeit in der heutigen Arbeitswelt.

Wie bilde ich mich zum/zur SAP-Berater:in weiter?

Wenn du noch keine Vorerfahrungen hast, steigst du zunächst mit einer Grundlagenzertifizierung in die SAP-Welt ein. Hier verschaffst du dir einen ersten Überblick über das SAP-System und die einzelnen Geschäftsbereiche, die dort abgebildet werden, beispielsweise Finance (Rechnungswesen)  oder Sales (Vertrieb).

In einer Anwenderzertifizierung lernst du dann das Arbeiten mit SAP, und zwar schon ganz konkret mit Fokus auf bestimmte Unternehmensbereiche wie Rechnungswesen oder Logistik. Prüfungsgrundlage sind also genau die Themen, die im Arbeitsalltag einer bestimmten Jobrolle anfallen. Du erwirbst Anwenderkompetenzen in dem von dir gewählten Tätigkeitsfeld und lernst, das SAP-System im Tagesgeschäft effizient zu nutzen. Von diesem Praxiswissen profitierst du nicht nur als SAP-User, sondern auch in der SAP-Beratung.

Nach erfolgreicher Teilnahme wird dir ein international anerkanntes SAP-Anwenderzertifikat ausgestellt. Bei GFN sicherst du dir mit einem Kurs gleich zwei SAP-Zertifikate – und baust in überschaubarer Zeit umfassendes SAP-Anwenderwissen auf. So bildest du dich beispielsweise als Vertriebler zum SAP-Key-User für Einkauf und Vertrieb weiter. Wer sich noch breiter aufstellen möchte, schließt eine Anwenderzertifizierung in einem anderen Geschäftsbereich an.  

In der SAP-Beraterzertifizierung werden dir schließlich fundierte Geschäftsprozess-Kenntnisse vermittelt. Du baust zentrale Kompetenzen auf, um SAP-Projekte professionell angehen und Unternehmen bei der Lösung komplexer Herausforderungen im SAP-Umfeld unterstützen zu können.

Bei GFN erwirbst du zusätzlich zu den meisten SAP-Beraterzertifikaten ein oder sogar zwei Anwenderzertifikate – für umfassendes Key-User- und Geschäftsprozesswissen in den Kernbereichen eines Unternehmens.

Wie steige ich nach meiner SAP-Zertifizierung in den Job ein?

Sowohl große Unternehmen als auch Beratungshäuser suchen aktuell und in den nächsten Jahren verstärkt nach qualifizierten Bewerber:innen, die hier als interne oder externe Consultants unterstützen. Vor allem die Software- und Beratungsfirmen, die sich auf SAP spezialisiert haben, benötigen personellen Nachwuchs, um die steigende Zahl an Kundenaufträgen zu bewältigen.

Neben Berater:innen für den Bereich Finance (FI), der sämtliche Geschäftsprozesse des Finanz- und Rechnungswesens umfasst, werden vor allem auch Spezialist:innen für die Unternehmensbereiche Logistik, Vertrieb und Personalwesen gesucht.

Oft ist für SAP-zertifizierte Absolvent:innen ein direkter Einstieg bei einem SAP-Consulting-Haus oder einem Anwenderunternehmen möglich. Der Einstieg kann beispielsweise als Junior-Berater:in erfolgen oder auch über ein mehrmonatiges Trainee-Programm. Beim Training „on the job“ findest du schnell in die Berufspraxis und sammelst wertvolle Erfahrungen. Im Laufe der Zeit übernimmst du dann beispielsweise Aufgaben in der Prozess- und Anwendungsberatung, Schulung oder (Teil-)Projektleitung.

Was sollte ich als SAP-Berater:in mitbringen?

Um in einem beratenden Beruf zu arbeiten, solltest du kundenorientiert denken und kommunikative sowie Team-Fähigkeiten mitbringen. Beides ist nötig, um im Austausch mit dem Kunden und anderen Projektbeteiligten Unternehmensbedarfe zu identifizieren und Vorhaben erfolgreich abzuschließen. Für die Projektarbeit helfen dir zudem Kenntnisse im Projektmanagement, vor allem in agilen Methoden wie Scrum.

Auch wichtig: Über komplexe Sachverhalte möglichst einfach, allgemeinverständlich und dabei präzise sprechen zu können – im Beratungsgespräch und der Projektarbeit ebenso wie in der Schulung von Anwender:innen. Auch die Fähigkeit zur Präsentation ist hilfreich und kann beispielsweise in einer Weiterbildung zum SAP-Trainer erlernt werden.

Neben einer gewissen Problemlösungsfähigkeit und Kreativität bringst du ein gutes Verständnis von Unternehmensprozessen mit. Als zertifizierte:r SAP-Berater:in kennst du dann die technischen Möglichkeiten des SAP-Systems und hast tiefgreifende Kenntnisse in einzelnen SAP-Modulen bzw. Geschäftsbereichen, z. B. Human Resources, Finance oder Materialwirtschaft.

Generell gilt: Wer lernfähig und auch bereit ist, immer dazuzulernen, kann in der SAP-Beratung sehr erfolgreich sein. Entscheidend ist für viele Arbeitgeber nicht mehr, dass du schon alles kannst, denn die Anforderungen im Job ändern sich ohnehin immer schneller. Was du aber mitbringen solltest, ist die Fähigkeit, dich immer wieder auf neue Aufgaben und Herausforderungen einzustellen.

Hier nochmal die wichtigsten Voraussetzungen auf einen Blick:

Wie sind meine Zukunftsaussichten als SAP-Berater:in?

IT-Dienstleistungen rund um das Produkt SAP werden stark nachgefragt und angesichts der technischen Entwicklungen auch zukünftig unentbehrlich für Unternehmen und Gewerbetreibende sein. Als Berater:in für SAP-Projekte und digitale Prozesse bist du also immer gefragt und wirst in nahezu allen Branchen gebraucht. Entsprechend groß ist die Auswahl an Jobs, die in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen wird.

Auf dem IT-Arbeitsmarkt herrscht ein enormer Fachkräftemangel – trotz guter Bezahlung: Das durchschnittliche Einstiegsgehalt für Junior SAP-Berater:innen liegt laut StepStone bei rund 44.400 Euro, später sind im Schnitt 58.100 Euro drin. Je nach Unternehmen, Projekterfahrung und Region kannst du aber auch 70.000 Euro und mehr verdienen, hinzu kommen nicht selten Erfolgsprovisionen und Boni. Die höchsten Gehälter bieten in der Regel die Chemie- und Pharmaindustrie, gefolgt von der Automobil- und Finanzbranche.

SAP-Trainer:in werden – Als SAP-Berater:in in die berufliche Weiterbildung

Wenn du Engagement und das Potenzial erkennen lässt, das für die offene Stelle wichtig ist, hast du gute Karten im Bewerbungsprozess – und kannst schnell erste Berufserfahrungen sammeln. So wie Katrin Grund, eine ehemalige GFN-Teilnehmerin: Nach über drei Jahrzehnten in der Gastronomie und ein paar Jahren in kaufmännischen Tätigkeiten nutzte sie die Chance, sich im Alter von 50 Jahren mit einer SAP-Weiterbildung nochmal völlig neu zu orientieren. Nach Anwenderzertifizierungen in Finanzbuchhaltung (FI) und Personalwirtschaft (HCM) schloss sie auch die Beraterzertifizierungen Business Process Integration und Financial Accounting erfolgreich ab.

Dann erhielt Katrin Grund überraschend das Angebot, bei GFN als SAP-Trainerin einzusteigen. „Dazu musste ich noch eine Weiterbildung zur Online-Trainerin machen“, berichtet sie. „Ich wurde Schritt für Schritt an die Trainertätigkeit herangeführt. Ich konnte bei Kolleg:innen hospitieren und mir viel abschauen.“ Nach einiger Zeit durfte sie dann selbst in die Trainerrolle schlüpfen: „Meine erste Aufgabe war, die Prüfungsvorbereitungswoche durchzuführen. Als nächstes habe ich einzelne Lektionen unterrichtet, schließlich einen ganzen Tag. Mittlerweile unterrichte ich zwei Gruppen im Wechsel, SAP-Anfänger:innen und angehende SAP-Berater:innen.“ Katrin Grund fühlt sich angekommen.

Doch auch sie weiß: Es gibt noch viel zu lernen. Denn ob in der SAP-Beratung oder im -Training – gerade im IT-Umfeld ist es wichtig, immer auf dem Laufenden zu bleiben und mit den technischen Entwicklungen Schritt zu halten. Wenn du also Spaß daran hast, immer Neues dazuzulernen, wirst du als SAP-Berater:in mit einem abwechslungsreichen Beruf und hervorragenden Entwicklungsmöglichkeiten belohnt.