„Ich ernte jetzt die Früchte meiner Arbeit“ – ein GFN-Umschüler berichtet

Vom Hartz4ler zur IT-Fachkraft: Michael Heintz ist ehemaliger GFN-Umschüler zum Fachinformatiker. In einem Interview hat er uns von seiner Zeit vor, während und nach der Umschulung erzählt. Auch sein ehemaliger Trainer Uwe-Jens Berndt kam zu Wort.

1. Stationen vor der Umschulung

Hallo Herr Heintz. Sie haben bei GFN von 2019 bis 2021 zum Fachinformatiker Systemintegration umgeschult und arbeiten jetzt erfolgreich im IT-Support. Bis dahin war es aber ein längerer Weg, oder?

M. Heintz: Das stimmt. Ich habe in den 90er-Jahren erst Bauzeichner gelernt und dann Fachabitur gemacht. Ein anschließendes Studium in den Bereichen Bauingenieurwesen und Wirtschaftswissenschaften habe ich wegen der schweren Krankheit eines Familienmitglieds abgebrochen. Nach dessen Tod brauchte ich erstmal eine längere Auszeit, habe verschiedene Gelegenheitsjobs ausgeübt und auch eine 3-monatige Trainingsmaßnahme gehabt.

Wie ging’s dann beruflich für Sie weiter?

M. Heintz: 2001 bin ich nach Baden-Württemberg gezogen, da die Arbeitschancen und das Lohnniveau dort einfach höher waren. Es folgten verschiedene Jobs im Kfz-Bereich, im Weinbau und im Lager. Von 2005 bis 2007 war ich als selbstständiger Handelsvertreter unterwegs, was aber zum Leben nicht gereicht hat. Nach kurzer Zeit als Ein-Euro-Jobber in der Lagerlogistik wurde ich 2009 dann arbeitslos und war fast 12 Jahre lang, bis Anfang 2021, größtenteils Hartz-4-Empfänger.

Eine lange Zeit. Wie haben Sie es zurück in die Arbeitswelt geschafft?

M. Heintz: Ich hatte im Jahr 2018/19 ein Coaching bei GFN und bin dort auf die Möglichkeit gestoßen, eine Umschulung zum Fachinformatiker zu machen.

U.-J. Berndt: Michael hat schon während des Coachings für andere Teilnehmer:innen die Datenhaltung in Ordnung gebracht. Ich als Umschulungstrainer habe mich dann natürlich gefragt: Ist da Biss dahinter? Ist er wirklich bereit für so eine Ausbildung unter verschärften Bedingungen? Ich habe ihm klargemacht, dass er da wirklich 6 Tage am Stück, mehr als 8 Stunden am Tag arbeiten muss.

M. Heintz: Und er hat Recht gehabt!

Sie haben sich also nicht abschrecken lassen?

M. Heintz: Im Gegenteil. Nach diesem klaren, ernüchternden Gespräch mit Uwe habe ich mich entschieden, dass ich diese Umschulung machen will. Ich bin dann über drei bis vier Wochen jeden zweiten Tag im Jobcenter erschienen, bis ich schließlich das Ok für meine Umschulung bekommen habe. Und kurz vor meinem fünfzigsten Geburtstag habe ich dann im GFN-Trainingscenter Heilbronn die Umschulung zum Fachinformatiker für Systemintegration begonnen.

2. Die Umschulung

Wie waren die zwei Jahre Umschulungszeit für Sie?

M. Heintz: Uwe hat nicht übertrieben. Nach Unterrichtsende gab’s keinen Feierabend, stattdessen habe ich praktisch jeden Abend noch gelernt und Stoff nachgearbeitet. Am Wochenende hatte ich nur einen Tag frei, am anderen war wieder Lernen angesagt. Meist habe ich den halben Samstag und den halben Sonntag freigemacht, mehr war nicht drin.

U.-J. Berndt: So eine Umschulung ist wirklich eine Ausbildung unter verschärften Bedingungen. Viele unserer Teilnehmer:innen müssen erstmal wieder ins Lernen kommen. Andere haben zusätzlich mit persönlichen Problemen zu kämpfen oder kommen aus einem schwierigen Umfeld. Für die Teilnehmer:innen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, ist es nochmal schwerer. Und manchmal muss man sich in der Umschulung eben auch mit Themen beschäftigen, mit denen man nicht so viel anfangen kann, z. B. Betriebswirtschaft. Da höre ich als Trainer dann oft: „Das ist nicht das, was ich machen wollte“.

Ein Trainer während einer Online-Weiterbildung mit Headset schaut in de Kamera.
Dozent, Motivator und Vertrauensperson in einem: GFN-Umschulungstrainer Uwe-Jens Berndt

Und dennoch gibt es selten Teilnehmer:innen, die die Umschulung abbrechen, oder?

U.-J. Berndt: Das stimmt. Jede:r Teilnehmende hat einen bestimmten Grund, warum er da ist. Ein echtes Ziel. Da hört man: „Ich möchte etwas bewegen“ oder „etwas tun in einem wachsenden Bereich“. Und natürlich „Ich möchte etwas für meine Zukunft tun“. Da ist der starke Wille, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die beruflichen Möglichkeiten im IT-Bereich sind angesichts des Fachkräftemangels ja hervorragend, auch für Quereinsteigende. Aus Lustlosigkeit bricht also kaum jemand ab. Wenn, dann weil das persönliche Umfeld nicht stimmt oder die Familie nicht dahintersteht. Fast alle unsere Umschüler:innen sehen ihre Chance auf eine echte Perspektive, auf ein Arbeitsverhältnis – und ziehen die zwei Jahre durch.

M. Heintz: Man muss auch sagen, dass Uwe uns gut gecoacht hat. Er war immer für uns da, immer ansprechbar. Wir waren ein richtiges Team, eine gute Clique. Einmal hat Uwe mit uns gewettet: Wenn alle Teilnehmer:innen die MCSA-Zertifizierung (Anm. d. Red.: Das ist der Vorläufer zur aktuellen Microsoft-Zertifizierung Endpoint Administrator Associate) bestehen, lädt er die ganze Klasse zum Pizzaessen ein. Wir haben gewonnen – und bekamen alle unsere Pizza inklusive Getränk. Die Wette macht er so schnell sicher nicht wieder.

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3. Jobeinstieg und Arbeitsalltag

Ihre letzte Prüfung haben Sie im Februar 2021 absolviert. Wie ging es dann für Sie weiter?

M. Heintz: Ich konnte sofort nach meinem Abschluss mit Zeitvertrag in meinem ehemaligen Praktikumsbetrieb anfangen. Dort war ich als Fachinformatiker im Second-Level-Support tätig, zuletzt als stellvertretender Teamleiter.

U.-J. Berndt: Schon im Betriebspraktikum während der Umschulung ist Michael viel selbstsicherer geworden. So geht es erstmal vielen Umschüler:innen. Erstmal traut man sich nichts zu, dann schafft man plötzlich Sachen. Später im Job hat Michael sein Wissen massiv ausgebaut.

M. Heintz: Ich weiß noch, wie Uwe zu mir sagte: „Zieh das hier 2 Jahre durch. Es wird nicht einfach, aber danach kannst du dir den Job aussuchen“. Leider wurden die Arbeitsplätze Ende 2022 ins Ausland verlagert und ich habe meine Anstellung verloren. Ich kam allerdings schon nach einem einzigen Gespräch woanders unter – in der externen IT eines Automobilzulieferers. Dort arbeite ich auch heute noch.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

M. Heintz: Ich arbeite im Service-Desk. Hier bin ich meist etwa 3 Stunden am Tag an der Hotline und am Service-Point tätig, habe aber auch Termine on-site, also im Außendienst. Ich erstelle und bearbeite Tickets, sowohl für den First- als auch für den Second-Level-Support, baue PC-Arbeitsplätze auf und ab, gehe zum Kunden raus. Die Leute kommen mit ihren Anliegen auch persönlich zum Service-Point – und sind ganz happy, wenn jemand ihr Problem direkt löst. Manche bringen dann auch nochmal Schoki als kleines Dankeschön vorbei.

Als Problemlöser im IT-Support hat man sicher einen ziemlich stressigen Job. Wie kommen Sie damit zurecht?

M. Heintz: Man muss gute Nerven haben, fit im Kopf sein, hin und her springen. Aber es macht einen Riesenspaß. Nachdem ich im letzten Job 13 Monate komplett im Homeoffice war, habe ich jetzt eine reine Präsenzstelle, was mir sehr gefällt. Ich mag den persönlichen Kontakt zu meinen Kollegen und bin froh, wenn ich Leute um mich habe. Mein Chef ist zufrieden mit mir, ich habe gute Kollegen, jeder hilft jedem. Ich mag meinen Job, auch wenn er oft stressig ist. Ärger und Probleme lasse ich nach Feierabend auf der Arbeit, man muss ja auch mal Luft holen.

Haben Sie denn schon Pläne, wie es für Sie weitergehen soll? Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?

M. Heintz:  Ich möchte mich beruflich weiter qualifizieren, Schulungen machen. Eventuell mal früher in Rente gehen, zudem bin ich an der Börse aktiv. Vorher möchte ich aber in meiner jetzigen Firma aufsteigen oder zur internen IT wechseln. Jetzt heißt es erstmal: richtig einarbeiten und schauen, was sich ergibt. Mein nächstes Ziel ist der Festvertrag nach meiner Probezeit im Juli. Danach schaue ich, wo ich mich qualifizieren oder spezialisieren kann.

4. Fazit

Das klingt, als seien Sie im richtigen Beruf angekommen. Wie ist Ihr persönliches Fazit: Hat sich die Umschulung zum Fachinformatiker für Sie ausgezahlt?

M. Heintz: Absolut. Die Umschulung und die Mühen haben sich gelohnt. Gerade in diesen Zeiten wäre es sehr schwierig als Hartz4ler. Ich ernte jetzt die Früchte meiner Arbeit. Und ich bin GFN sehr dankbar. Es war sehr anstrengend, aber ich habe dennoch viele gute Erinnerungen an die zwei Jahre Umschulung. Und ich habe nicht nur beruflich, sondern auch persönlich von meiner Zeit bei GFN profitiert.

U.-J. Berndt: Wir haben ja auch heute noch Kontakt und ich kann bestätigen, dass Michael jetzt ein vollkommen anderer Mensch ist als der, der damals zu uns kam. Selbstbewusst, offen. Und ein geschätzter Kollege.

M. Heintz: Ich werde der GFN auf jeden Fall ab und zu mal einen Besuch abstatten. Vielleicht kann ich ja andere Teilnehmer mit meiner Geschichte zum Durchhalten motivieren. In diesem Sommer ist auch ein Treffen geplant mit allen Mitschülern von früher und dem GFN-Team – wäre toll, wenn das klappen würde.

Wir wünschen Ihnen auf jeden Fall, dass Ihre Erfolgsgeschichte weitergeht. Und wer weiß, vielleicht sieht man sich ja noch mal – GFN hält auch für Berufstätige spannende Weiterbildungsangebote bereit.  


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