Was ist PRINCE2? Methode, Prinzipien & Einsatzbereiche einfach erklärt

Zuletzt bearbeitet am 27. März 2026

Wer sich mit Projektmanagement beschäftigt, stößt früher oder später auf die Frage: Was ist PRINCE2 – und wofür wird es eingesetzt? Dieser Artikel gibt darauf eine verständliche Antwort und zeigt, wie PRINCE2 aufgebaut ist, welche typischen Probleme die Methode im Projektalltag löst und für welche Projekte sie besonders geeignet ist.

Was ist PRINCE2®? 

PRINCE2® ist eine prozessorientierte Projektmanagement-Methode, die Projekte in klar definierte Phasen und Rollen gliedert und auf sieben Grundprinzipien, Themen und Prozessen basiert. Sie bietet einen standardisierten Rahmen, mit dem Projekte planbar, kontrollierbar und nachvollziehbar umgesetzt werden können.

Wofür steht PRINCE2®?

PRINCE2® steht für PRojects IN Controlled Environments (Projekte in kontrollierten Umgebungen). Der Name macht bereits deutlich, dass PRINCE2® darauf abzielt, ein kontrolliertes Projektumfeld zu schaffen, in dem Aufgaben, Rollen, Prozesse und Entscheidungswege klar definiert sind.

Was bietet PRINCE2® und was ist das Ziel?

PRINCE2® bietet einen klar strukturierten Rahmen, mit dem Projekte planbar und nachvollziehbar gesteuert werden können. Die Methode definiert feste Rollen, Verantwortlichkeiten, Prozesse und Entscheidungswege, sodass alle Beteiligten wissen, wer was zu welchem Zeitpunkt übernimmt.

Ziel von PRINCE2® ist es, Projekte kontrolliert, transparent und wirtschaftlich umzusetzen – unabhängig von Branche oder Projektart. Dabei unterstützt die Methode vor allem dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen, fundierte Entscheidungen zu treffen und Projekte konsequent an ihren Business-Zielen auszurichten.

Was gibt die PRINCE2®-Methode konkret vor?

Die PRINCE2®-Methode gibt keinen fachlichen Inhalt vor, sondern beschreibt den organisatorischen Rahmen, in dem ein Projekt abläuft. Konkret definiert PRINCE2®:

PRINCE2® gibt also nicht vor, was fachlich umgesetzt wird, sondern wie ein Projekt organisiert sein sollte, damit es planbar, überprüfbar und steuerbar bleibt.

Welche Probleme löst PRINCE2® im Projektalltag?

Projekte scheitern im Alltag meist an unklaren Zuständigkeiten, fehlenden Entscheidungen oder ständig wechselnden Anforderungen. PRINCE2® setzt genau an diesen Punkten an. Typische Schwachstellen, die PRINCE2® systematisch reduziert, sind:  

Welche PRINCE2®-Bausteine gibt es – kurz erklärt?

PRINCE2® besteht aus drei zentralen Bausteinen, die gemeinsam den Rahmen für ein strukturiertes Projektmanagement bilden: Prinzipien, Themen und Prozesse. Jeder dieser Bausteine erfüllt eine eigene Funktion und sorgt dafür, dass Projekte nachvollziehbar geplant und gesteuert werden können.

1. Die 7 PRINCE2®‑Prinzipien
Die Prinzipien sind Grundsätze, die in jedem PRINCE2®‑Projekt gelten. Dazu gehören unter anderem: aus Erfahrungen lernen, klare Rollen und Verantwortlichkeiten, phasenweises Vorgehen und konsequente Ausrichtung auf den Business Case. Sie dienen als Leitlinien und verhindern, dass ein Projekt unstrukturiert abläuft.

2. Die 7 Themen
Die Themen beschreiben Bereiche, die während des gesamten Projekts kontinuierlich betrachtet und gesteuert werden müssen, z. B. Organisation, Qualität, Risiken, Fortschritt oder Änderungen. Sie zeigen, worauf ein Projektteam achten muss, um ein Projekt verlässlich zu führen.

3. Die 7 Prozesse
Die Prozesse definieren, wie ein Projekt von Anfang bis Ende abläuft. Sie beschreiben konkrete Abläufe wie die Projektvorbereitung, die Steuerung einzelner Phasen oder den geregelten Projektabschluss. Damit geben sie dem Projekt eine klare Struktur und legen fest, wer in welchem Schritt welche Aufgaben übernimmt.

Gemeinsam sorgen diese Bausteine dafür, dass PRINCE2® nicht nur Theorie bleibt, sondern im Projektalltag praktisch anwendbar und gut nachvollziehbar ist.

Infografik: PRINCE2® auf einen Blick

Die Infografik zeigt kurz und knapp auf, was PRINCE2 ist, eine prozessorientierte Projektmanagement-Methode für strukturierte Projekte.

Die PRINCE2®-Prinzipien

Die 7 PRINCE2®‑Prinzipien bilden das Fundament der Methode. Sie definieren grundlegende Regeln und Denkweisen, die in jedem PRINCE2®‑Projekt angewendet werden müssen, unabhängig von Projektgröße oder Branche.

1. Fortlaufende geschäftliche Rechtfertigung (Continued Business Justification)

Jedes PRINCE2®‑Projekt muss einen klaren geschäftlichen Nutzen haben, der während des gesamten Projektverlaufs regelmäßig überprüft wird. Grundlage dafür ist der Business Case, der beschreibt, warum das Projekt sinnvoll ist.

Praxisnutzen: Projekte können beendet oder angepasst werden, wenn sich zeigt, dass der erwartete Nutzen nicht mehr gegeben ist.

2. Lernen aus Erfahrungen (Learn from Experience)

PRINCE2® fordert, Erfahrungen aus früheren Projekten zu nutzen und neue Erkenntnisse während des Projekts festzuhalten. Dieses Wissen soll aktiv in Entscheidungen einfließen.

Praxisnutzen: Wiederholte Fehler werden vermieden und bewährte Lösungsansätze systematisch weitergenutzt.

3. Definierte Rollen und Verantwortlichkeiten (Defined Roles and Responsibilities)

In einem PRINCE2®‑Projekt sind Rollen klar beschrieben, etwa Auftraggeber, Projektleitung oder Teammitglieder. Jede Rolle hat festgelegte Aufgaben und Befugnisse.

Praxisnutzen: Zuständigkeiten sind eindeutig, Entscheidungsprozesse werden schneller und Konflikte durch Unklarheiten reduziert.

4. Steuern über Managementphasen (Manage by Stages)

Das Projekt wird in überschaubare Abschnitte (Phasen) unterteilt, die jeweils geplant, genehmigt und kontrolliert werden.

Praxisnutzen: Risiken und Fortschritt lassen sich regelmäßig überprüfen, bevor das gesamte Projekt aus dem Ruder läuft.

5. Steuern nach dem Ausnahmeprinzip (Manage by Exception)

Für Zeit, Kosten, Qualität und Umfang werden Toleranzen festgelegt. Solange diese eingehalten werden, kann die Projektleitung eigenständig handeln.

Praxisnutzen: Führungsgremien werden entlastet, ohne die Kontrolle über kritische Abweichungen zu verlieren.

6. Produktorientierung (Focus on Products)

PRINCE2® fokussiert auf klar definierte Ergebnisse (Produkte) statt auf reine Aktivitäten. Für jedes Produkt werden Qualitätsanforderungen festgelegt.

Praxisnutzen: Alle Beteiligten wissen genau, was geliefert werden soll und wann ein Ergebnis als „fertig“ gilt.

7. Anpassen an die Projektumgebung (Tailor to Suit the Project)

PRINCE2® ist kein starres Regelwerk, sondern soll an die jeweilige Projektgröße, Komplexität und Organisation angepasst werden.

Praxisnutzen: Die Methode bleibt praktikabel und verursacht keinen unnötigen administrativen Aufwand.

Praxisbeispiel: PRINCE2®-Prinzipien in einem Software-Rollout

Stell dir einen Software‑Rollout in deiner Organisation vor, bei dem ein neues CRM‑System eingeführt und an bestehende Systeme angebunden werden soll. Bevor du startest, hältst du fest, welches konkrete Ziel der Rollout verfolgt – etwa eine zentrale Datenbasis für Vertrieb und Service oder weniger manuelle Workarounds. Dieser klar definierte Nutzen dient dir während des Projekts als Orientierung, wenn zusätzliche Anforderungen oder technische Erweiterungen diskutiert werden.

Du strukturierst den Rollout in klar abgegrenzte Phasen wie Konzeption, Implementierung, Testbetrieb und Produktivsetzung und überprüfst nach jeder Phase, ob Stabilität, Zeit‑ und Budgetrahmen noch passen. Im Alltag arbeitest du produktorientiert: Statt offener To‑dos stehen greifbare Ergebnisse im Fokus, etwa eine funktionsfähige CRM‑Instanz oder getestete Schnittstellen. Änderungswünsche bewertest du strukturiert nach Aufwand und Auswirkungen, sodass der Rollout steuerbar bleibt und du den Überblick über Ziel und Gesamtzusammenhang behältst.

Für welche Projekte eignet sich PRINCE2®?

PRINCE2® kann in sämtlichen Branchen und Projekten zum Einsatz kommen, insbesondere in folgenden Bereichen:

  • IT-/Softwareprojekte, z. B. Software-Rollouts, Systemeinführungen, Migrationen
  • Organisations- und Prozessprojekte, z. B. Prozessumstellungen, neue Abläufe, Change-Projekte
  • Produkt- & Serviceeinführungen, z. B. neue digitale Angebote oder interne Services
  • Projekte in der öffentlichen Verwaltung, z. B. Digitalisierungs-, E-Government- oder Verwaltungsmodernisierungsprojekte
  • Unternehmensweite Transformations‑ und Einführungsprojekte, z. B. ERP‑Einführungen oder konzernweite Systemumstellungen
  • Projekte mit externen Dienstleistern oder Lieferanten, bei denen klare Rollen, Verträge und Abstimmungen erforderlich sind

Wann ist PRINCE2® besonders geeignet, wann weniger?

Gut geeignetWeniger geeignet
Wenn Ziel, Nutzen und Erfolgskriterien zu Projektbeginn klar definiert und als Business Case beschrieben werden könnenWenn Zielbild und Nutzen bewusst offen sind und sich erst durch Experimentieren oder schnelles Ausprobieren entwickeln sollen
Wenn Größe und Komplexität des Projekts oder Abhängigkeiten eine strukturierte Planung und Steuerung erfordernWenn sehr kleine oder kurzfristige Aufgaben im Vordergrund stehen, bei denen ein formeller Projekt-Overhead keinen Mehrwert bringt
Wenn mehrere Stakeholder, Fachbereiche oder Lieferanten beteiligt sind und klare Rollen sowie Entscheidungswege benötigt werdenWenn ein kleines, eingespieltes Team ohne formale Rollen oder Gremien autonom entscheiden und arbeiten kann
Wenn Transparenz, Dokumentation und Nachvollziehbarkeit wichtig sind, z. B. in der öffentlichen Verwaltung oder in regulierten BranchenWenn maximale Flexibilität und Geschwindigkeit wichtiger sind als strukturierte Planung und Dokumentation
Wenn Zeit, Kosten, Umfang und Risiken aktiv kontrolliert und Abweichungen früh erkannt werden sollenWenn häufige, grundlegende Richtungswechsel erwartet werden, die durch formale Entscheidungs- und Änderungsprozesse eher gebremst würden

Kurz: PRINCE2® passt gut zu Projekten, bei denen „einfach machen“ zu teuer oder zu riskant wäre.

Alternativen zu PRINCE2® im Projektmanagement

PRINCE2® ist nicht die einzige Methode für strukturiertes Projektmanagement. Je nach Projektziel, Teamgröße und Arbeitsweise kommen auch andere Ansätze infrage. Zu den bekanntesten Alternativen zählen:

Welche Methode passt, hängt weniger von der „richtigen“ oder „falschen“ Wahl ab, sondern davon, wie klar Ziele und Rahmenbedingungen sind und wie viel Flexibilität das Projekt erfordert. PRINCE2® wird dabei häufig dort eingesetzt, wo Verlässlichkeit, Steuerbarkeit und formale Entscheidungswege besonders wichtig sind.

PRINCE2® vs. Scrum: Kann man klassische und agile Ansätze kombinieren?

In der Praxis werden beide Ansätze häufig kombiniert. PRINCE2® liefert den organisatorischen Rahmen für Steuerung, Rollen und Entscheidungen, während Scrum die agile Umsetzung auf Team‑Ebene übernimmt.

Das Gesamtprojekt wird also nach PRINCE2® gemanagt, Scrum kommt innerhalb einzelner Projektphasen zum Einsatz, etwa für die iterative Entwicklung von Software‑Komponenten in kurzen Sprints. So behalten Stakeholder die Kontrolle und das Entwicklungsteam bleibt beweglich.

Tipp für die Praxis: Lege früh fest, wo PRINCE2® endet und Scrum beginnt – also welche Entscheidungen auf Management‑Ebene getroffen werden und wo Teams eigenverantwortlich agil arbeiten. Das verhindert Reibungsverluste und sorgt für klare Erwartungen auf beiden Seiten.

Wenn du Projekte mit mehr Transparenz, klarer Verantwortung und verlässlicher Steuerung führen willst, ist PRINCE2® eine sehr solide Basis – auch als Baustein in hybriden Setups. Mit einer PRINCE2®-Weiterbildung sicherst du dir anerkannte Projektmanagement-Zertifikate, die dich beruflich wirklich voranbringen.

Fazit: PRINCE2® als strukturierter Einstieg ins Projektmanagement

Ziele klären, Verantwortlichkeiten festlegen und Projekte nachvollziehbar steuern: Die PRINCE2®-Methode bietet dir einen klaren und verständlichen Rahmen dafür.

Du möchtest PRINCE2® nicht nur verstehen, sondern auch zertifiziert anwenden? In unserer PRINCE2® 7 Foundation & Practitioner Zertifizierung lernst du sowohl die Grundlagen als auch die praktische Anwendung von PRINCE2® und vertiefst dein Wissen Schritt für Schritt. Mit dem Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit nimmst du kostenlos teil.

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FAQ – Häufig gestellte Fragen zum PRINCE2®-Projektmanagement

PRINCE2® ist primär ein Governance- und Steuerungsrahmen, der oft als „klassisch“ wahrgenommen wird. Durch Tailoring (Anpassung an spezifische Projektanforderungen) und die Kombination mit agilen Liefermethoden (z. B. Scrum) kann PRINCE2® aber auch gut hybrid eingesetzt werden.

Nein. PRINCE2® richtet sich auch an Projektmitarbeitende, Fachverantwortliche oder Personen, die regelmäßig in Projekten mitarbeiten und ein besseres Verständnis für Abläufe und Entscheidungen entwickeln möchten.

PRINCE2® kann als zu formal empfunden werden, wenn ein Projekt sehr frei angelegt ist und sich Ziele oder Vorgehen erst im Verlauf entwickeln sollen. Außerdem erfordert die Methode ein bewusstes Abwägen, wie viel Struktur tatsächlich sinnvoll ist – etwa in Bezug auf Entscheidungswege, Dokumentation und Abstimmung. Wird PRINCE2® nicht passend auf das Projekt, die Dynamik und die Anforderungen zugeschnitten, kann der organisatorische Aufwand den Nutzen übersteigen.

PRINCE2® ist ein international etablierter Standard und wird in vielen Branchen und Ländern eingesetzt. Insbesondere in Europa ist die Projektmanagement-Methode weit verbreitet und spielt vor allem im öffentlichen Sektor eine große Rolle.

PRINCE2® ist so aufgebaut, dass auch Einsteiger:innen die Methode Schritt für Schritt verstehen können. Erste Projekterfahrung ist hilfreich, aber keine Voraussetzung. Wenn du deine PRINCE2®-Zertifizierung bei GFN absolvieren möchtest und keine Vorkenntnisse im Projektmanagement mitbringst, steigst du mit unserer Projekt- und Qualitätsmanagement Weiterbildung ein und kannst anschließend mit dem PRINCE2®-Kurs die erworbenen Grundlagen durch spezifisches Methodenwissen ausbauen.

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